Common ground, myths and sources of confidence

Als erste externe Teilnehmerin war Ursula Gather beim klar:text dabei. Neben Martina Merz und Oliver Burkhard stellte sich die Vorsitzende des Kuratoriums der Krupp-Stiftung den Fragen von über 40 Mitarbeitenden.

klar:text with Ursula Gather, Martina Merz, Oliver Burkhard

Ob sie in der Vergangenheit Entscheidungen im Aufsichtsrat mitgetragen habe, die sie heute bedauert, oder ob thyssenkrupp das Ruder überhaupt noch herumreißen kann – der Einstieg war direkt, die Fragen auch. Professorin Ursula Gather, Kuratoriumsvorsitzende der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und Mitglied im Aufsichtsrat der thyssenkrupp AG, war am vergangenen Freitag zu Gast im Quartier. Gemeinsam mit Martina Merz und Oliver Burkhard nahm sie an einem virtuellen klar:text-Treffen mit mehr als 40 Mitarbeitenden des Unternehmens teil.

Die zugeschalteten Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit und richteten einen Großteil ihrer Fragen an Ursula Gather. Die antwortete empathisch und persönlich. „Natürlich tut das richtig weh,“ gestand sie etwa hinsichtlich der einen oder anderen Medienberichterstattung zu ihrer Person in den vergangenen Monaten. Das habe sie persönlich getroffen. „Auch, weil es weit entfernt war von dem, wofür ich und auch die Stiftung stehen.“

Gather betonte die enge Verbindung von Krupp-Stiftung und thyssenkrupp. Gleichzeitig zeigte sie sich zuversichtlich, dass das Unternehmen zukünftig zwar „möglicherweise kleiner, etwas anders sortiert“, dafür aber eben wieder erfolgreich sein werde. Und Erfolg verbindet die Aufsichtsrätin mit „Wettbewerbsfähigkeit, mit sicheren Arbeitsplätzen für die Beschäftigten, und, ja: auch mit Dividendenfähigkeit.“ Die historische Verbundenheit zu thyssenkrupp bedeute aber keineswegs, dass die Stiftung Einfluss auf die Führung des Unternehmens nehme. Darin waren sich Gather und Merz einig. Derartige Vorstellungen wiesen beide als Mythos zurück.

Im weiteren Gespräch mit Gather, Merz, Burkhard und dem ebenfalls anwesenden Stiftungsvorstand Volker Troche ging es um die Rolle der Stiftung als Ankeraktionärin, um Frauen in Führungspositionen bei thyssenkrupp und um „wew ways of working“.

„Jedem ist klar, dass wir hier nur gemeinsam rauskommen“

Wie sich die Zusammenarbeit auf der Führungsebene in der „Group of Companies“ aktuell darstelle, beantwortete Oliver Burkhard: „Jedem ist der Ernst der Situation bewusst und jedem ist klar, dass wir hier nur gemeinsam rauskommen“.

Zur Arbeit im verkleinerten Vorstand sagte Burkhard, es würde oft noch ausgiebiger und kontroverser diskutiert als zuvor. Und Merz äußerte ihr Erstaunen darüber, wie sehr dieser Umstand die Organisation bisweilen verunsichere und erklärte: „Nur, weil wir im Vorstand einmal nicht direkt einer Meinung sind, bedeutet das keinesfalls eine große Krise für das Unternehmen. Es braucht auch die Meinung des Anderen zur Schärfung der eigenen Gedanken.“

Auf die Frage nach einer spezifischen Kompetenz, die thyssenkrupp Mitarbeitende und Führungskräfte brauchen, um erfolgreich zu sein, schnürten die drei ein Paket aus Kompetenz , emotionaler Intelligenz bzw. Teamfähigkeit sowie Herz und Humor. Martina Merz ergänzte, es brauche in der Belegschaft „Quellen der Zuversicht“ und KollegInnen, die weiterhin an den Erfolg des Unternehmens glaubten. „Zynismus und Sarkasmus saugen nur die Kraft aus den Knochen und bringen niemanden weiter“, betonte sie.

Austausch und Verbindung stärken

Im zweiten Teil der Veranstaltung wollte Ursula Gather ihrerseits von den Zugeschalteten wissen, was sie mit der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung verbinden und was die Stiftung tun könne, um für die Mitarbeitenden näher zu sein und sichtbarer zu werden.

Auf Basis der Antworten entstanden einige Ideen, die jetzt ausgearbeitet werden sollen. Ein erster konkreter Schritt wird eine regelmäßige, gemeinsame Frühstücksrunde von thyssenkrupp Mitarbeitenden mit der Stiftung sein. Start dafür ist bereits im September.

Den Austausch im Rahmen der klar:text-Reihe bewerteten sowohl die Gäste als auch die Mitarbeitenden als einen wichtigen Schritt, ein mitunter als distanziert empfundenes Verhältnis zwischen Stiftung und Unternehmen zu überwinden. Ein solcher Austausch sei „lange überfällig“ gewesen, sagte auch Martina Merz in ihrem persönlichen Feedback. Sie schloss mit einem Dank an alle Beteiligten für die Offenheit und für den Mut, auch „unverheilte Wunden“ zu zeigen. Nur so könne man ernsthaft aufeinander zugehen und in einen wirksamen Dialog treten.

Weitere klar:text-Veranstaltungen werden folgen, der nächste Termin ist für den 8. Juli geplant. Neben Martina Merz wird dann Volkmar Dinstuhl, der neue CEO des Segments „Multi Tracks“, als Gesprächspartner Rede und Antwort stehen.

Zudem sind bereits weitere klar:text Termine mit spannenden internen und externen Gästen in Planung. Die Anmeldung dazu wird in den nächsten Tagen möglich sein.