Wissen darf nicht in Rente gehen

Bei Steel Europe werden die Erfahrungen älterer Mitarbeiter systematisch an jüngere Kollegen weitergegeben.

Wissen übertragen, von einer Generation zur nächsten? Das ist möglich, sagt Andrea Bröcher, Fachfrau für Wissenstransfer bei ThyssenKrupp Steel Europe in Duisburg. „200 Mitarbeiter, die seit 2006 aus dem Job ausgeschieden sind, haben wir zuvor im Rahmen der Initiative ,ProZukunft’ als Ratgeber für ihre Nachfolger gecoacht.“ Mit ihren jüngeren Kollegen bewältigten sie über Wochen einen Wissenstransfer-Prozess.

So auch Erich Bergmans. Bevor der ehemalige Betriebsleiter im Team Service der Stranggießanlage Beeckerwerth in den Ruhestand ging, vermittelte er im Jahr 2010 dem heutigen Senior Engineer Sebastian Meiß (32), seinem Nachfolger, wichtige Kniffe und viel mehr für den Alltag. Meiß: „Es ging auch darum, menschliche Erfahrungen für die neue verantwortliche Rolle im Strangguss weiterzugeben.“ Die Wochen mit Erich Bergmans seien für ihn „hoch wertvoll“ gewesen. „So viel Gewinn erzielt man durch kein Lehrbuch“, berichtet Meiß. Mit Bergmans durchdachte er Zukunfts- und Alltagsfragen des Betriebs. Festgehalten wurde alles in einer Jobmap und einem Transferplan.

„Wissen darf nicht in Rente gehen, wenn Kollegen ihren Arbeitsplatz verlassen“, erklärt Andrea Bröcher. Immer weniger Berufstätigen stünden in Zukunft immer mehr Menschen im Ruhestand gegenüber. Deutschlands größter Stahlhersteller gehört einer Umfrage des Bundeswirtschaftsministeriums zufolge zu dem knappen Viertel einheimischer Unternehmen, die sich systematisch um die Weitergabe von Mitarbeiter-Wissen kümmern. Beim Start des Programms „ProZukunft“ vor acht Jahren waren es landesweit nur wenige Firmen, die sich dem Thema aufgrund der absehbaren demografischen Entwicklung angenommen hatten. Andrea Bröcher: „Wir sind froh, dass wir auf diese Weise Qualität sichern können. So bleibt erarbeitetes Wissen möglichst umfassend im Unternehmen.“