Studieren und probieren

Seit ihrer Kindheit geht Brigitte Hammer den Dingen auf den Grund. Ihre Neugier ist noch lange nicht gestillt. Besonders stolz ist sie auf das, was sich hinter dem Namen TPN-W 780 verbirgt.

Ich bin Forscherin mit Leib und Seele. Forscher sein bedeutet für mich nicht, auf geniale Einfälle zu warten und an diesen dann alleine und geheimnisvoll herumzutüfteln. Nein, beim Forschen steht das streng wissenschaftliche Arbeiten im Team im Vordergrund. Ich habe mich schon von Kindesbeinen an für Naturwissenschaften und Mathe interessiert. Nach dem Abi habe ich deshalb Metallkunde studiert, promoviert und nun forsche ich schon seit dreißig Jahren mit Stahl – das ist so interessant und vielseitig, dass ich locker noch dreißig weitere Jahre forschen könnte. Und dann wäre meine Neugier immer noch nicht gestillt. Denn Stahl ist ein faszinierender Werkstoff. Die vielseitigen Eigenschaften und die Möglichkeiten, die er bietet, fesseln mich einfach.

Seit 29 Jahren arbeite ich im ThyssenKrupp Konzern, zunächst war ich einige Jahre in der Elektrobandforschung tätig, mittlerweile beschäftige ich mich bei ThyssenKrupp Steel Europe mit Mehrphasenstählen. Meistens bearbeite ich als Projektkoordinatorin mehrere Projekte parallel – das heißt ich konzentriere mich nicht nur auf eine Entwicklung, sondern auf mehrere. Und die dauern jahrelang. Derzeit laufen fünf Projekte gleichzeitig, da muss man organisatorisch schon auf der Höhe sein.

Ein typischer Arbeitstag? Den habe ich eigentlich nicht, denn es kommt immer darauf an, in welcher Phase eines Projektes ich bin. Es gibt Tage, die verbringe ich ausschließlich im Büro: Rechner an, viel Kaffee, E-Mails bearbeiten, Besprechungen vorbereiten und abhalten, Versuchsergebnisse auswerten, Fragen beantworten, Präsentationen erarbeiten, Gespräche mit Kollegen führen, Versuche organisieren, Kundenkontakte vorbereiten. Diese Tage sind so randvoll, dass ich meine Fachliteratur abends und am Wochenende lese, sonst käme ich gar nicht dazu.

„Die Versuche im Warmbandwerk sind für mich spannender als der beste Krimi.

BRIGITTE HAMMER, Projektkoordinatorin

Es gibt aber auch Tage – die mag ich ganz besonders –, da bin ich in den großen Anlagen, meist im Warmbandwerk Bochum. Dort machen wir sogenannte Betriebsversuche, wir testen also, wie sich unsere Stähle unter realen Bedingungen beim Walzen verhalten. Das ist unglaublich spannend für mich, spannender als der beste Krimi: Geht alles gut? Haben wir alles richtig gemacht? Wie geht der Versuch aus? Natürlich wurden auch schon mal Projekte abgebrochen, aber das kommt glücklicherweise selten vor. Ein besonderes Projekt war für mich der TPN-W 780 – ein hochfester warmgewalzter Mehrphasenstahl, der in crash- und festigkeitsrelevanten Bauteilen im Automobil eingesetzt wird.

Für seine Entwicklung habe ich zusammen mit dem Projektteam im Dezember den ersten Platz beim Steel Tomorrow Wettbewerb gewonnen, der Gedanke daran macht mich schon stolz. TPN-W 780 wird seit einiger Zeit auch für den Fahrzeugbau verkauft. Es war schon viel Teamarbeit nötig, um diesen Erfolg gemeinsam einfahren zu können.

Natürlich brauche ich auch einen Gegenpol zu der vielen Wissenschaft, deshalb liebe ich meinen Garten, in den ich viel Zeit investiere und in dem ich entspannen kann. Ich lese, tanze, höre Musik und treibe Sport. Meine Reisen führen mich zumeist durch Europa – aber auch die fremdartige Kultur Japans hat es mir angetan. Durch die Kooperation mit einem japanischen Stahlhersteller bin ich mehrmals in diesem wundervollen Land gewesen und habe die asiatische Gelassenheit kennen und schätzen gelernt.