Wenn der Postmann elektrisch vorfährt

#tkgoesIAA | Die Deutsche Post liefert mit einem Elektroauto ihre Post und Pakete aus. Das Besondere daran: Den Wagen stellt das Unternehmen selbst her – mithilfe von thyssenkrupp.

Das zulässige Maximalgewicht eines voll beladenen StreetScooters beträgt 2.130 Kilogramm. Für dieses Foto mit Achim Kampker (l.) und Andreas Breidenbach auf dem Dach wurde eine Ausnahme gemacht.

Ab geht die Post: Mit dem StreetScooter wird die Deutsche Post zum Vorreiter bei der E-Mobilität. Achim Kampker, ehemaliger Professor an der RWTH Aachen, entwickelte dort im Rahmen seiner Forschungsarbeit den Prototypen eines elektrischen Nutzfahrzeugs. Dieser StreetScooter könnte die Paketzulieferung in Deutschland und vielleicht bald in der ganzen Welt revolutionieren.

Bereits seit 2010 ist thyssenkrupp als strategischer Entwicklungspartner mit an Bord. Mit Werkstoffen und Komponenten unterstützen die Business Areas Components und Steel das Projekt. „Wir haben auf wirtschaftlichen Leichtbau gesetzt und eine Karosseriestruktur aus Stahl entworfen, die mit einer Kunststoff-Außenhaut beplankt wird“, sagt Andreas Breidenbach aus dem Bereich Technologie und Innovation bei Steel.

In Serie: Bis zu 10.000 elektrische Nutzfahrzeuge laufen pro Jahr in Aachen vom Band.

Stahl und E-Mobilität gehören zusammen

„Die Herausforderung war enorm“, so Breidenbach. „Denn die Karosserie muss sowohl die Insassen als auch die Batterie des Elektrofahrzeugs schützen. Mit unseren Neuentwicklungen haben wir gezeigt, dass unser Stahl in der Elektromobilität seinen Platz hat.“

Und auch die Stoßdämpfer von Bilstein haben einiges zu leisten. Denn das zulässige Maximalgewicht eines voll beladenen StreetScooters beträgt 2.130 Kilogramm. Am Ende eines langen Zustelltags kann es jedoch über eine halbe Tonne weniger sein. Um trotzdem ein ausgewogenes Dämpfungsverhalten zu erreichen, muss die Abstimmung sehr sorgfältig vorgenommen werden.

Optimistisch: Achim Kampker (l.) und Andreas Breidenbach sind überzeugt, dass sich das Konzept StreetScooter durchsetzen wird.

Vom Start-up in den Weltkonzern

Der erste Prototyp war so attraktiv, dass die Post hellhörig wurde. „Sie war damals auf der Suche nach einem preiswerten und funktionalen E-Lieferwagen“, sagt Achim Kampker. Das Modell des StreetScooters passte perfekt ins Konzept der Post. So übernahm der Paketzusteller 2014 das Start-up-Unternehmen samt Geschäftsführer Achim Kampker und wurde zum Automobilbauer.

„Wir wollten beweisen, dass E-Mobilität in kleinen Stückzahlen bezahlbar ist und keine langen Entwicklungszeiten erfordert.“

ACHIM KAMPKER, Geschäftsführer StreetScooter GmbH

2016 waren bereits 2.000 emissionsfreie StreetScooter auf deutschen Straßen unterwegs – mit Leichtbauelementen von Steel und Stoßdämpfern von Bilstein. Die Zeichen stehen klar auf Wachstum. Langfristig sollen alle 45.000 Fahrzeuge der Post-Flotte ausgetauscht werden. Zudem erhält Achim Kampker täglich Anrufe aus dem Ausland von interessierten Unternehmen. „Der Bedarf ist riesig“, sagt er. „Autos mit Verbrennungsmotoren werden schneller Geschichte sein, als es die Experten derzeit vorhersagen.“ Und thyssenkrupp liefert die Basis für die elektromobile Revolution auf der Straße.