Spatenstich für Technikum

Carbon2Chem: Unser Beitrag für den Klimaschutz und die Energiewende sowie die Zukunft der Stahlindustrie in NRW.

Andreas Goss, Heinrich Hiesinger, Hannelore Kraft, Thomas Rachel und Reinhold Achatz (v.l.) eröffnen mit dem Spatenstich die Bauphase des Carbon2Chem Technikums.

Auf dem Gelände von Steel in Duisburg hat der Bau eines neuen Technikums begonnen. Das Technikum wird eine zentrale Rolle in dem Entwicklungsprojekt Carbon2Chem spielen.

Ziel von Carbon2Chem ist es, Hüttengase aus der Stahlproduktion für die Herstellung von Chemikalien zu nutzen – einschließlich des darin enthaltenen CO2. An dem Projekt sind 16 weitere Partner aus der Grundlagen- und Anwendungsforschung sowie aus verschiedenen Industriebranchen beteiligt. Carbon2Chem wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit insgesamt mehr als 60 Millionen Euro gefördert.

Den ersten Spatenstich setzten die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, Thomas Rachel MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp AG und Andreas Goss, Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp Steel Europe AG.

„Klimaschutz made in NRW“

"Der Klimawandel gehört zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Wir in NRW sind Vorreiter beim intelligenten Klimaschutz, der industrielle Produktion nicht als Gegner betrachtet, sondern als Teil der Lösung anerkennt“, so Hannelore Kraft in ihrer Begrüßung. „Für die Versuchsanlage kann es keinen geeigneteren Standort als Duisburg, als Nordrhein-Westfalen geben – das ist Klimaschutz ‚made in NRW‘." Kraft lobt außerdem an dieser Stelle die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und Forschung.

Thomas Rachel lobte vor allem die Innovationskraft, die hinter dem Projekt steht: "Wir zeigen, wie klimafreundliche Produktion gelingt. Hier am Standort der thyssenkrupp Steel Europe AG werden wir demonstrieren, wie man aus Hüttengasen Dünger, Kunststoff oder Kraftstoff gewinnt. Damit erreichen wir einen klimarelevanten CO2-Einspareffekt." Rachel gab aber auch zu bedenken, dass Klimaschutz immer auch sozialverträglich sein müsse.

In dem Technikum sollen Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in den industriellen Maßstab überführt werden. In den Gebäudekomplex mit einer Nutzfläche von circa 2.600 Quadratmeter investiert thyssenkrupp 33,8 Millionen Euro. Hinzu kommen rund zehn Millionen Euro aus der Fördersumme des BMBF für Ausstattung und Nutzung des Technikums. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2018 geplant.

„Die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt“

Heinrich Hiesinger betonte, Carbon2Chem sei ein Schritt in die Stahlproduktion der Zukunft: "Wenn das Projekt gelingt, wird die CO2 Belastung aus der Stahlerzeugung wesentlich verringert. Gleichzeitig kann Carbon2Chem einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Energienetze leisten." Die für die chemischen Prozesse benötigte Energie soll aus erneuerbaren Quellen kommen. Hiesinger motivierte die Beteiligten frei nach Laotse „Die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt“. Bis Carbon2Chem im großtechnischen Maßstab funktioniere, wird es mehr als zehn Jahre dauern. „Heute tun wir den ersten konkreten Schritt auf dieser Reise.“

Andreas Goss wies – vor allem mit dem Seitenblick auf die Verschärfung im CO2-Emmissionsrechtehandel, der thyssenkrupp bis zu 3 Mrd. EUR kosten könnte – darauf hin, dass man in einer weitgehend CO2-freien Wirtschaft unser Unternehmen nicht mehr finden würde, „denn Hochöfen gäbe es aufgrund der unvermeidbaren CO2-Emissionen dann nicht mehr.“ Goss stellte vor allem die bisherigen Verbesserungen in unserer Produktion heraus: „Wir sind im Betrieb unserer Hochöfen einem theoretischen prozesstechnischen Idealzustand so nahe gekommen, dass keine nennenswerten weiteren Potenziale zu heben sind. Eben auch nicht, was die Reduzierung der CO2-Emissionen betrifft.“ Goss betont an dieser Stelle Innovationskraft und -willen seines Unternehmens: „Daher liegt es nahe, an den Hochofengasen selbst anzusetzen und hier zu Lösungswegen zu kommen. Carbon2Chem ist ein solcher Weg.“

Was macht Carbon2Chem anders?

Hüttengase aus der Stahlproduktion werden bisher lediglich verbrannt, um Strom und Wärme für den Fertigungsprozess herzustellen. Carbon2Chem stellt die Gase an den Anfang einer chemischen Produktionskette. Das ist möglich, weil die Gase unter anderem Wasserstoff, Stickstoff und Kohlenstoff enthalten, aus denen sich zahlreiche chemische Produkte herstellen lassen.

Die Erfolgsaussichten für Carbon2Chem sind gut, denn die grundlegenden chemischen Abläufe und die benötigten Technologien sind weitestgehend bekannt. Schon jetzt ist die Umwandlung von Prozessgasen aus der Hütte in Ammoniak als Vorprodukt für Düngemittel technisch machbar, aber noch nicht wirtschaftlich. Bis Carbon2Chem marktreif ist, werden mindestens zehn Jahre Entwicklungszeit veranschlagt.

Charakteristisch für Carbon2Chem ist eine breit angelegte branchenübergreifende Zusammenarbeit. Dabei entsteht ein neues Netzwerk aus Stahlherstellung, Stromerzeugung und Chemieproduktion. Diese Branchen spielen ein Schlüsselrolle für Nordrhein-Westfalen und beschäftigen in dem Bundesland mehr als 180.000 Menschen.