The Sound of Metal

Tagsüber hält er die Verladung von Mittelbandcoils in Hagen am Laufen. Doch wenn Konrad „Bobby“ Schottkowski mit seiner Band auf Tournee geht, zeigt der weltberühmte Heavy Metal Drummer dem Publikum, was echter Thrash ist.

Bei Hoesch Hohenlimburg bin ich eigentlich zufällig gelandet: Ich hatte Mitte der 80er-Jahre grade mein Fachabi in Dortmund gemacht und war auf der Suche nach einem Ferienjob, weil ich mir ein bisschen was dazuverdienen wollte. Ich hatte Glück und konnte direkt im Versand in Hagen anfangen. Der Plan war, dass ich nur ein paar Wochen jobbe und dann weitersehe. Aber dann habe ich mir gesagt: ‚Bleib mal `ne Weile‘. Naja, und heute bin ich immer noch hier – 31 Jahre später. Und immer noch im selben Bereich, im Versand. Das ist einfach genau mein Ding.

Anfangs war ich einfacher Verlader, heute bin ich Vorarbeiter und habe 50 Mitarbeiter – das ist natürlich eine ganz andere Sache. Mein Job ist verantwortungsvoll und vielseitig, jeder Tag anders. Trotzdem muss alles laufen, im wahrsten Sinne des Wortes – das ist meine Aufgabe. Ich bin ein schneller Denker und ein pragmatischer Umsetzer.Bin aber auch viel draußen, habe ständig Kontakt zu den Mitarbeitern, bin sozusagen die letzte Instanz, bevor unser Material auf Lkw oder Zügen das Werk verlässt.

"Ich funktioniere am besten, wenn ich gefordert werde ... und es menschlich harmonisch läuft."

KONRAD SCHOTTKOWSKI, Vorarbeiter bei thyssenkrupp Hoesch Hohenlimburg

Entspannt, aber anspruchsvoll

Meinen Anspruch kennt jeder: Alles muss tadellos sein, wenn es zum Kunden geht – nicht nur qualitativ, sondern auch im Hinblick auf die Sicherheit. Ich bin ein ganz relaxter Mensch, ich habe für alle ein Ohr und für manches Verständnis. Aber bei diesem Thema bin ich total rigoros und streng. Ich möchte, dass alle Kollegen abends gesund nach Hause gehen, und es kann auch nicht sein, dass irgendjemandem auf der Straße ein Coil vom Lkw entgegenkullert.

Mindestens die Hälfte meiner Arbeitszeit sitze ich am Rechner – koordinieren, prüfen, organisieren, das ist ein wichtiger Teil meiner Tätigkeit. Derzeit bin ich als Key User für die Einführung von SAP in unserem Bereich und die Schulung meiner Mitarbeiter zuständig. Für so was bin ich prädestiniert, weil ein kleiner Nerd in mir steckt. Ich lese zwar auch gerne Bücher oder die FAZ, aber am Computer arbeiten macht mir so richtig Spaß. Das hängt auch mit meinem Hobby zusammen. Der Computer bietet mir als Musiker unzählige Möglichkeiten, zum Beispiel entstehen viele Kompositionen und Arrangements am Bildschirm.

Seit ich 13 Jahre alt bin, bin ich nämlich passionierter Schlagzeuger. Meine komplette Freizeit geht für diese große Leidenschaft drauf, ich bin sozusagen Heavy Metaler der ersten Stunde. Als Autodidakt habe ich mir den Erfolg hart erarbeitet und bin in Metal-Kreisen kein Unbekannter. Ich habe mit vielen namhaften Bands in diesem Genre gespielt und bin weltweit aufgetreten; derzeit bin ich Drummer bei der britischen Band „Tank“.

Ein echter Teamplayer

Für meine Live-Auftritte – hierfür spare ich seit jeher meinen gesamten Jahresurlaub – bin ich schon mindestens fünf Mal um die ganze Welt gereist und habe unheimlich viel gesehen, so was prägt natürlich. Wacken-Festival, 70.000 Tons of Metal, Auftritte vor Tausenden Fans in Südamerika, Neuseeland, Japan, Europa – so sieht mein Leben neben dem Beruf aus. Was mir sowohl im Job als auch auf der Bühne zugutekommt: Ich funktioniere am besten, wenn ich gefordert werde, hochkonzentriert arbeite und es menschlich harmonisch läuft. Ich bin ein echter Teamplayer. Gute Kommunikation und gute Vernetzung sind mir wichtig, dann bringt mich auch so schnell nichts aus der Ruhe.

Ja, ich lebe manchmal in zwei verschiedenen Welten – meiner Arbeitswelt und der Musikwelt. Aber genau das macht mich aus, die Disziplin und Normalität der Arbeitswelt erden mich, die Musik inspiriert mich. Ich möchte nichts davon missen.