Nachwuchs mit Innovationsgarantie

Ein neues Rekrutierungsprogramm soll bei ThyssenKrupp Steel Europe Theorie und Praxis optimal miteinander kombinieren. Drei junge Ingenieure erzählen, an welchen innovativen Projekten sie bereits mitentwickelt haben.

Wie schafft es ein Unternehmen, junge Ingenieure direkt ab dem Einstellungsdatum gut zu vernetzen? Ihnen theoretisches Wissen und vor allem praktische Fertigkeiten passend zu ihren künftigen Einsatzorten mitzugeben? Und parallel dazu das Innovationspotenzial im Unternehmen auszuweiten? Die Zauberformel heißt „Rekrutierungs- und Transferprogramm TIS“. Zwölf junge Ingenieure und Ingenieurinnen unterschiedlicher Fachrichtungen durchlaufen derzeit das vor zwei Jahren vom Direktionsbereich Technologie & Innovation (TIS) entwickelte Nachwuchsprogramm bei ThyssenKrupp Steel Europe. „So stellen wir sicher, dass neue Mitarbeiter an Lösungen für konkrete Problemstellungen des Unternehmens arbeiten und dazu das Know-how aus TIS aufgreifen und ausbauen“, sagt Direktionsbereichsleiter Hans Ferkel.

„Die Lösungen setzen sie an ihren späteren Einsatzorten um und tragen so das gesammelte Wissen optimal ins Unternehmen.“

PROFESSOR HANS FERKEL, Leiter Direktionsbereich Technologie & Innovation

Matthias Adams
Mehrere große Räder dreht der 29-jährige Maschinenbauingenieur aus Koblenz derzeit beim Weißblechhersteller ThyssenKrupp Rasselstein – seinem künftigen Arbeitsort. „Ich betreue drei Projekte, bei denen es um Verbesserungen an der Durchlaufglühe geht. Hier wird das kaltgewalzte Blech für die Weiterverarbeitung erhitzt und rekristallisiert. Ein Projekt zielt darauf ab, die Schutzgaseinspeisung der Durchlaufglühe zu optimieren, um die Anlage nach einem Stillstand schneller wieder anfahren zu können.“

Für die bestmöglichen Ergebnisse arbeitet Adams mit der Abteilung TIS-Verfahrensmodellierung zusammen. „Der große Vorteil ist, dass wir die Prozesse mittels Computersimulation strömungstechnisch analysieren können. Zudem bringen die Kollegen langjährige Erfahrungen bei der Gestaltung der Prozesse ein.“ Ein weiteres Projekt umfasst eine innovative Behandlung von Weißblech in der Durchlaufglühe: „Die von uns entwickelte technische Lösung wurde sogar zum Patent angemeldet.“ Abhängig von der Projektphase lebt Adams in Duisburg oder Koblenz. „Das Transferprogramm bietet eine hervorragende Plattform, um ein ‚Netzwerk des Wissens‘ zu bilden und ein Projekt mit bestem Know-how zu bearbeiten. Es macht Spaß, die Erfahrungen und Denkweisen der Teams Durchlaufglühe und Verfahrensmodellierung zu kombinieren und einzusetzen.“

Angela Semlanoj
Die 28 Jahre alte Maschinenbauingenieurin ist seit 2012 bei ThyssenKrupp Steel Europe. Hier ist sie zurzeit in der Anwendungstechnik, Abteilung Anwendungskonzepte, tätig und lernt die unterschiedlichsten Facetten des Werkstoffs Stahl für den Einsatz in der Automobilindustrie kennen. „Ich konzentriere mich dabei auf Projekte zur Gewichts- und Kostenreduzierung im Automobilbau“, sagt die gebürtige Deutsch-Ukrainerin.

Kommendes Jahr wechselt Semlanoj in den Vertrieb, ihren neuen Stammplatz, auf dem sie langfristig tätig sein will. „Meine künftigen Kollegen kenne ich natürlich bereits und ich bin auch häufig auf Stippvisite im Vertrieb. Der Übergang von der Anwendungstechnik in den Vertrieb erfolgt fließend.“ Der Vorteil: Ihre detaillierten Kenntnisse der technischen Zusammenhänge werden die Kundenberatung erleichtern. „Mit meinem bei TIS gesammelten Wissen fühle ich mich hervorragend gewappnet für die Aufgaben, die auf mich zukommen werden.“

Fabian Gerecht
„Ich werde bald bei Grobblech in Duisburg-Hüttenheim tätig sein. Gemeinsam mit vielen Kollegen aus anderen Bereichen arbeite ich derzeit im Bereich TIS-Produktmesstechnik mit daran, eine spezielle Oberflächeninspektionsanlage zu entwickeln. Diese sehr komplexe Anlage wird dabei helfen, Oberflächenfehler auf den Grobblechen aufzuspüren und die Reklamationsquote zu senken. Bislang wird die Inspektion noch ‚von Hand‘ gemacht, was sehr zeitaufwendig und teuer ist.“

Der 29-jährige Elektro- und Informationstechniker mit Studienschwerpunkt Automatisierungstechnik ist begeistert von den Möglichkeiten, die ihm das Transferprogramm bietet: „In der relativ kurzen Zeit, die ich im Unternehmen bin, habe ich viele wichtige Leute kennengelernt und bin stolz darauf, schon an so einem großen Projekt mitarbeiten zu dürfen. Ich erfahre viel Unterstützung und lerne jeden Tag etwas dazu – Projektmanagement, alles über den Werkstoff Stahl und vor allem das Netzwerken über Bereichsgrenzen hinaus. Man wird sprichwörtlich an die Verantwortung herangeführt.“ Der gebürtige Gelsenkirchener freut sich darauf, mit Abschluss des Transferprogramms für die Anlage in Hüttenheim zuständig zu sein, die derzeit in Planung ist.