Helfer ohne Vorschlaghammer

Bildungslotsen für Kollegen mit Grunddefizit: Mentoren helfen dabei, richtig lesen und schreiben zu lernen

Fünfzehn Kulturmittler von ThyssenKrupp Steel Europe haben sich Mitte Dezember in Duisburg zu „Mentoren für Grundbildung und Alphabetisierung in der Arbeitswelt“ weitergebildet. „Das ist wichtig, denn Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können, gibt es auch in den Betrieben von ThyssenKrupp Steel Europe“, erklärt Betriebsrat Peter Trube. Der Bedarf nach Hilfe ist also da; insgesamt gibt es – so die Statistik – siebeneinhalb Millionen funktionale Analphabeten in Deutschland, rund 60 Prozent dieser Menschen sind erwerbstätig und unmittelbare Kollegen in den Betrieben und Verwaltungen. Einige davon gibt es statistisch auch bei ThyssenKrupp Steel Europe. Funktionale Analphabeten nennt man übrigens Menschen, die nicht in der Lage sind, die Schrift im Alltag so zu gebrauchen, wie es im sozialen Kontext als selbstverständlich angesehen wird – das heißt, sie können zwar Buchstaben erkennen und sind durchaus in der Lage, beispielsweise ihren Namen und ein paar Wörter zu schreiben, jedoch können sie den Sinn eines längeren Textes entweder gar nicht oder nicht schnell und mühelos genug verstehen, um praktischen Nutzen daraus zu ziehen. „Arbeitsanweisungen oder Warnhinweise können diese Kollegen nicht lesen, auch keine Schichtbücher schreiben“, verdeutlicht Trube den Nachteil dieser Menschen in der heute sehr komplexen Arbeitswelt.

Fünfzehn Kulturmittler von ThyssenKrupp Steel Europe haben sich Mitte Dezember in Duisburg zu „Mentoren für Grundbildung und Alphabetisierung in der Arbeitswelt“ weitergebildet.

Mit Hilfe der frisch ausgebildeten Mentoren soll das – zumindest bei Steel Europe – anders werden. Im Rahmen der mehrtägigen Fortbildung wurden die Mentoren sensibilisiert für die Probleme der Menschen mit Grundbildungsdefizit. Sie sollen sie erkennen lernen, Vertrauen bilden und dann dabei helfen, ihnen unterschiedliche Lern- und Qualifizierungsmöglichkeiten aufzuzeigen und den Kontakt zu Weiterbildungseinrichtungen herstellen. „Oft hilft beispielsweise schon ein Hinweis auf einen Volkshochschulkurs für die Alphabetisierung Erwachsener – so einen Vorschlag kann man aber nicht mit dem berühmten Vorschlaghammer machen, sondern man muss mit Fingerspitzengefühl vorgehen“, so Trube. Ein Anfang ist mithilfe der neuen Mentoren nun gemacht, weitere Mentorenausbildungen sollen folgen. „Ich unterstütze dieses Projekt ganz nachdrücklich – wir müssen hier Türen öffnen und die Mitarbeiter mit Grundbildungsdefizit zurück ins Boot holen“, erklärt auch Steel Europe Arbeitsdirektor Thomas Schlenz. „Erfreulicherweise übernimmt ThyssenKrupp Steel Europe hier eine Vorreiterrolle. Wir sind nämlich deutschlandweit das erste Großunternehmen, dass sich an dem vom Bildungsministerium geförderten Projekt Mento des DGB Bildungswerks beteiligt.“

Service für Interessierte:
Infos gibt es beim Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.

Internet:
www.alphabetisierung.de
www.alfa.telefon.de
www.ichance.de
www.facebook.de/grundbildung

Telefon 043 22 75 20 40
service@alphabetisierung.de