Land in Sicht

Das hochmoderne Streckenschubschiff „Veerhaven IV“ ist für Kapitän Eddy Poppema der Arbeitsplatz, von dem er schon als Junge geträumt hat – und für die Hälfte des Jahres sein schwimmendes Zuhause.

Eddy Poppema: "Überhaupt ist Manövrieren das Schönste – stets aufs Neue eine Herausforderung.“

I ch bin direkt nach meiner Geburt in Millingen aan de Rijn auf ein Tankschiff gezogen. In den ersten vier Jahren meines Lebens waren das Steuerdeck, die Kajüte, die Planken meine Bühne. Wenn ich das erzähle, dann sind alle überrascht. Aber ich finde das total normal. Ich bin ein Wasserkind, und für meine Familie war das Schiff der erste Wohnsitz. Ich weiß noch wie heute, als ich acht Jahre alt war und mein Vater, der Kapitän, mich zum ersten Mal ans Steuer gelassen hat. Auf sein Kommando durfte ich im Düsseldorfer Hafen das Ruder in die Hand nehmen. Seitdem stand fest: Ich werde Kapitän, das Fahren liegt mir einfach im Blut.

10 Mio. Euro kostet das neue Schiffsmodell. Es verfügt über drei Motoren mit je 1.800 PS.

Dabei reizt mich nicht das weite Meer. Es war auch nie mein Traum, auf der Brücke eines Kreuzfahrtschiffs unterwegs zu sein, sondern ich will von Bord aus Land sehen. Maas und Rhein – das sind meine Gewässer, auf denen ich mich als Binnenschifffahrts-Kapitän wohlfühle. Hier auf meinem Streckenschubschiff, der oranje-weiß-grünen „Veerhaven IV“, ist mein zweites Zuhause. Jeden Monat, zwei Wochen rund um die Uhr, Schicht um Schicht fahren meine Mannschaft und ich zwischen den Häfen Rotterdam und Duisburg hin und her.

Vor uns schieben wir die „Bakken“ – so nennen wir Niederländer die Schubleichter – entweder leer auf Talfahrt oder auf Bergfahrt beladen mit einer 16.000-Tonnen-Fracht aus Eisenerz oder Kohle für die Hochöfen von ThyssenKrupp. Seit 23 Jahren bin ich bei der Veerhaven-Flotte angestellt – zuerst als Steuermann und seit 2001 als Kapitän. ThyssenKrupp Veerhaven ist ein super Arbeitgeber, und ich bin stolz auf meinen Beruf. Es ist herrlich, Kapitän zu sein auf der brandneuen „Veerhaven IV“, auch „Neushoorn“ genannt, das bedeutet „Nashorn“. Es ist eine Auszeichnung, das Schiff mit der modernsten Technik fahren zu dürfen, und manch ein Kollege ist bestimmt ein bisschen neidisch. Ich bin auch schon die ausrangierte „Veerhaven IV“ gefahren, die 4 scheint meine Zahl zu sein. Die neue jedenfalls ist umweltfreundlicher und leiser, sie ist super ausgerüstet und komfortabel von der Messe bis zur Kajüte, vom Maschinenraum bis zum Steuerstand. Wir haben die besten Navigationsgeräte an Bord und neben dem eigentlichen Ruder zwei Bugstrahlen. Mit denen kann ich optimal steuern, beim Be- oder Entladen passgenau manövrieren. Überhaupt ist Manövrieren das Schönste. Stets aufs Neue ist es eine Herausforderung, und die gut zu meistern – das macht richtig Spaß. Immerhin fahre ich ja bei Wind und Wetter, Tag oder Nacht, bei Niedrig- oder Hochwasser ein 5.400 PS starkes Schiff, das mit sechs Bakken vorm Bug bis zu 270 Meter lang wird. Wenn ich beim Manövrieren allein in meinem Steuerhaus stehe, ist Millimeterarbeit gefragt. Wie ich immer sage: Du musst rudern mit den Riemen, die du hast.

Volle Kraft voraus: Die Veerhaven IV fährt Kohle oder Erz von Rotterdam nach Duisburg.

Klar, es gibt Gefahren. Darum hat bei mir Sicherheit für Mensch und Schiff absoluten Vorrang. Das versuche ich auch den Jungs beizubringen, die ich ausbilde. Ich liebe das Leben an Bord mit meiner Mannschaft, das ist meine Welt. Das Zusammengehörigkeitsgefühl im Team ist superwichtig. Schließlich haben wir Stress und Hektik, da sind enorme Konzentration und hoher körperlicher Einsatz gefordert. Die Arbeit gibt den Takt vor: Nach jeder Sechs- Stunden-Schicht habe ich sechs Stunden frei zum Essen, Schlafen und Erholen. Jeder von uns ist fürs Kochen zuständig und muss sich kümmern, dass das Schiff picobello ist. Das hört sich zwar nach viel Routine an, aber langweilig wird es nie. Kein Tag ist wie der andere. Und ist es nicht schön, jeden Morgen an einem anderen Ort aufzuwachen? So gerne ich nach zwei Wochen an Land in die Freischicht gehe und mich auf das Leben mit meiner Familie freue, so sehr zieht es mich immer wieder aufs Wasser. Ich bin Kapitän aus Leidenschaft, und überall wo mein Schiff treibt, da bin ich auch.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl im Team ist superwichtig.

Weitere Informationen: Die neue Veerhaven IV ist das modernste Schiff der Reederei ThyssenKrupp Veerhaven. Informationen dazu im Internet unter www.veerhaven.com