Die junge Meisterin

Mit gerade einmal 24 Jahren bildet Katharina Witt bereits Auszubildende aus. In dreieinhalb Jahren macht sie die angehenden Industriemechaniker fit für ihre Abschlussprüfungen.

Heute haben meine Azubis Berufsschule, da habe ich mal Zeit für ein längeres Gespräch. Ich arbeite meist in der Halle 5 des Bildungszentrums von ThyssenKrupp Steel Europe in Duisburg oder im Ausbilderbüro. Mein Job ist es, den Auszubildenden mein Wissen rund um den Metallbereich weiterzugeben und sie in dreieinhalb Jahren praktisch wie theoretisch für ihre Abschlussprüfung fit zu machen.

Ich bin von Beruf Industriemeisterin Metall. Schon als Schülerin habe ich mich mehr für Technik und Metalle als für französische Grammatik begeistert. Ich habe immer gern Dinge mit meinen Händen geschaffen und herausgetüftelt, wie etwas funktioniert – deshalb war mir schon früh klar, dass eine 40-Stunden-Woche im Büro nicht für mich in Frage kommt. Ganz früher wollte ich mal Goldschmiedin werden. Aber schon meine Eltern haben bei ThyssenKrupp Steel Europe gearbeitet, und mein Opa war Industrieobermeister in der Brammenadjustage – sie alle haben mir als Vorbilder gedient und mein Interesse an Technik und meine Liebe zum Stahl geweckt.

Mein Werdegang verlief so: Nach dem Schulabschluss habe ich meine Ausbildung zur Industriemechanikerin bei Steel Europe gemacht, nebenbei war ich Jugendvertreterin. Danach hatte ich meine erste Festanstellung im Kraftwerk Ruhrort: Dort habe ich in der Instandhaltung gearbeitet und mich um alles Mögliche gekümmert, von Wartungsarbeiten bis hin zu Testläufen der Turbine. Parallel habe ich drei Jahre lang die Abendschule besucht und dann mit 23 Jahren meine Meisterprüfung abgelegt, Ausbilderschein inklusive. Das war schon eine ziemlich harte Zeit, in der ich so gut wie keine Freizeit hatte, das Privatleben ist da schon deutlich zu kurz gekommen.

Die Entbehrungen haben sich aber gelohnt: Seit September 2013 habe ich meine ersten eigenen Auszubildenden. Es sind zwölf junge Männer, die ich zu Industriemechanikern ausbilde, und die Arbeit macht mir riesigen Spaß – besonders wenn ich sehe, dass meine Azubis genau kapieren, was ich erkläre. Meine Steckenpferde sind übrigens Steuerungstechnik und Mathematik, das macht besonders viel Spaß. Für meinen Beruf braucht man ganz klar technisches Talent und viel Neugier, dazu mathematisches Verständnis und vor allem Durchsetzungsvermögen – ich kann es beispielsweise aus Sicherheitsgründen nicht durchgehen lassen, wenn jemand am Handy herumdaddelt, während er an der Werkbank steht. Dann mache ich meinen Standpunkt klar, und das wird auch ohne Wenn und Aber respektiert. Man braucht jedoch auch Geduld, Humor und Einfühlungsvermögen – als Ausbilder ist man nicht nur Wissensvermittler, sondern manchmal auch Coach in allen Lebenslagen.

„Das Interesse an Technik und die Liebe zum Stahl haben mein Opa und meine Eltern bei mir geweckt“

KATHARINA WITT (24)

Rückblickend etwas ändern würde ich an meinem Lebenslauf nicht. Ich bin superzufrieden damit, wie es bislang gelaufen ist, ich habe tolle Kollegen, prima Azubis und einen Top-Arbeitgeber, der mich fördert. Und natürlich eine schöne Arbeit – es macht mich glücklich zu sehen, dass meine Azubis gute Ergebnisse in ihren Tests erzielen und brauchbare Werkstücke abliefern.

Am beruflichen Ziel angelangt sehe ich mich allerdings noch nicht, denn ich bin ja noch recht jung und brauche Herausforderungen. Wenn alles glatt geht, beginne ich im September mein berufsbegleitendes Studium als ‚Bachelor of Mechanical Engineering‘. Das wird natürlich noch mal eine harte Zeit. Aber hoffentlich bleibt diesmal etwas mehr Zeit für meine Hobbies: Skilaufen, Ausgehen, Freunde treffen und – shoppen gehen.