Der ewige Kampf gegen die Unfallgefahren

Schon immer war das Thema Arbeitssicherheit bei Steel Europe wichtig: In einem 56 Jahre alten Beitrag aus der Mitarbeiterzeitung berichten Arbeiter von Unfällen am Arbeitsplatz. Wir präsentieren Ihnen hier, liebe Leser, den „historischen“ Artikel in voller Länge.

Dieser Artikel erschien in einer Mitarbeiterzeitung von 1958. Schon damals ein wichtiges Thema: die Arbeitssicherheit.

Auf die Frage: „Wo haben Sie Ihren Sicherheitshelm?“ bekommt man in den Betrieben nicht selten die Antwort: „Den habe ich in meinem Schrank.“ Das ist eine schmerzliche Tatsache, die uns sehr nachdenklich stimmen muss; denn die Hütte hat bis jetzt 10.000 Sicherheitshelme angeschafft, die etwa 100.000 DM kosteten. Der Aufwand für andere Dinge zur Sicherheit der Belegschaft ist gleichfalls groß. Es genügt nicht, dass sie vorhanden sind; um die Mitarbeiter vor Schäden zu bewahren, müssen sie unbedingt auch angewandt und benutzt werden.

Was denkt nun der Mann am Arbeitsplatz im Betrieb über den Kampf gegen die Unfallgefahren und die Maßnahmen zur Sicherheit, insbesondere über den Schutzhelm? Dieser Frage sind Sicherheitswesen und Werkzeitung in zahlreichen Betrieben einmal gemeinsam nachgegangen. Hier einige Beispiele:

Bei diesem Rundgang sprachen wir zunächst mit Meister Lahn von der Dolomithalle des Thomaswerks. Er zeigte sich, da es um Fragen der Sicherheit am Arbeitsplatz ging, sehr aufgeschlossen. Meister Lahn begrüßte vor allem das Tragen von Schutzhelmen, Staubmasken und Sicherheitsschuhen, die sich, wie er bestätigte, bisher sehr gut bewährt hätten. So seien zum Beispiel in mehreren Fällen Fußverletzungen beim Herunterfallen von Steinen aus dem Konverter vermieden worden, weil die Arbeiter Sicherheitsschuhe trugen. Meister Lahn wies mit besonderem Nachdruck darauf hin, dass das Anlernen von jungen und neueingestellten Arbeitskräften mit sehr viel Geduld vorgenommen werden müsse, um sie mit dem richtigen und notwendigen Schutz mit dem Arbeitsplatz vertraut zu machen. Seiner Meinung nach sei es selbstverständlich notwendig, diese Mitarbeiter zuerst mit überwiegend leichter und ungefährlicher Arbeit zu betrauen.

Als Rangierer beim Roheisentransport von der Mischerhalle zum Thomaswerk muss Johann Weißberg besonders aufmerksam sein. Dieses gilt vor allem an der sehr verkehrsreichen Straße am Bundeshaus. Besonders bei der Einfahrt ins Thomaswerk muss er achtgeben, da das letzte Drittel des Thomas-Werks durch Montage-Arbeiten sehr beengt ist. Er ist der Ansicht, dass einige Unfälle infolge ungenügender Aufmerksamkeit eintreten, obwohl Sicherheitskleidung getragen wird. Die Schutzhelme werden von Weißberg besonders gelobt. Aus seinem eigenen Arbeitsbereich hat er ein Beispiel zur Hand, das zeigt, wie notwendig der Schutzhelm ist. Beim Zurückkippen einer Roheisenpfanne fiel vor Jahren, da es noch keine Sicherheitshelme gab, ein Schlackenzapfen herunter, durchschlug seinen Hut und brachte ihm eine Kopfverletzung bei. „Mit einem Schutzhelm“, so stellt Rangierer Weißberg fest, „wäre mir das nicht passiert.“

Betriebselektriker im Elektrobetrieb I Rudolf Albracht ist der Meinung, die Belegschaftsmitglieder sollten über die Art und Ursache der Unfälle noch mehr aufgeklärt werden. Außer den monatlichen Beiträgen in der Werkzeitung sollten öfters Vorträge gehalten werden. Albracht regte weiterhin an, Belegschaftsmitglieder, die einen Unfall verursacht hatten, zum Sicherheitswesen kommen zu lassen und dort eingehend zu belehren. In seiner Werkstatt, so Albracht, werde im übrigen alles getan, um Unfälle zu verhüten. Er selbst erklärte sich bereit, am nächsten Unfallverhütungs-Lehrgang teilzunehmen, um das dort gehörte seinen Kollegen zu vermitteln und so mitzuhelfen, Unfälle zu vermeiden.

Auch Vorarbeiter Brückehoff aus der Zurichtung des Block- und Profilwalzwerkes äußerte sich positiv zu den bisher eingeführten Unfallschutzmitteln. Seiner Ansicht nach sind trotzdem vorkommende Unfälle vielfach auf Leichtsinn und Unaufmerksamkeit zurück zu führen. Jedenfalls seien die Unfälle in der Zurichtung, seit Sicherheitshelm und Sicherheitsschuhe getragen würden, zurückgegangen, stellte er fest. Unfälle beim Kanten von Schienen seien meistens auf mangelnde Verständigung zwischen den einzelnen Mitarbeitern zurückzuführen.

Die Reihe dieser Beispiele könnte noch beträchtlich vermehrt werden. Eine Tatsache unterstrichen jedenfalls – von wenigen Unbelehrbaren abgesehen – alle: Ohne Schutzhelm ist jeder im Betrieb gefährdet. Wer an seine eigene Gesundheit und vor allem an Frau und Kinder denkt, wird deshalb den Sicherheitshelm immer tragen und nicht aus Leichtsinn sein Leben aufs Spiel setzen.

Hochöfner im Wandel der Zeit

Arbeiter in der damals typischen Arbeitskleidung beim Abstich eines Hochofens der August Thyssen-Hütte, Gewerkschaft, um 1926.

Vorbereitung zum Abstich des Roheisens mit der Stichlochbohrmaschine am Hochofen. Die Hochöfner tragen noch Holzkklotschen, lange Mäntel mit Kapuzen aus groben Stoff und Hütte – keine Helme. Fotograf: Herbert List, März 1954.

Der Hochöfner, um 1960. Er trägt einen Helm mit ledernem Nackenschutz, den er hochgeklappt hat. Zum Schutz der Hände hat er „Handbeutel“, die so groß waren, dass sie auch das Gesicht schützen, wenn er die Hände vor das Gesicht hielt und außerdem waren sie schneller als Handschuhe von den Händen zu bekommen.

Hochöfner, Mai 1969

Arbeitskleidung eines Hochöfners um 1970.

Hochöfner, 1981

Roheisenabstich am Hochofen Schwelgern 1, 2002