Der Konzern macht sich fit

ThyssenKrupp Steel Europe hat ein anspruchsvolles Ziel vor Augen. Im hart umkämpften Markt will das Unternehmen Bester seiner Klasse werden. Im Optimierungsprogramm „Best in Class Reloaded“ (BiC Reloaded) werden alle dafür nötigen Schritte organisiert.

ThyssenKrupp in Duisburg: Die Flotte, die das Werk auf dem Wasserweg mit Rohstoffen versorgt, fährt jetzt wirtschaftlicher.

ThyssenKrupp Steel Europe hopes to save 500 million euros by implementing a new program, ‘Best-in-Class Reloaded’ (or BiC Reloaded). This entails a total of nine different cost-cutting initiatives. At the same time, BiC Reloaded aims to improve product quality, customer relationships, as well as technological and logistical capabilities.

A lot of reevaluating needs to be done in order to maintain competitiveness. Cuts in the areas of production, maintenance, sales, and administration are unavoidable. This will involve the closure or relocation of several company sites. The employee cuts will be regulated by a social plan, which includes help with additional costs incurred by employees due to relocation.

However, BiC is much more than just a cost reduction scheme. Long-term goals include an improvement of production quality, faster development of innovations, and substantial improvement of collaborative work between the business areas.

Um wieder in die Erfolgsspur zu kommen, lauten die Ziele: näher am Kunden sein, die Kostenposition verbessern und die technologischen und logistischen Fähigkeiten stärken. Viele Mitarbeiter in der Verwaltung und in den Betrieben vor Ort arbeiten mit Hochdruck an mehr als 1.000 Einzelmaßnahmen. Und das bereits mit deutlichem Erfolg.

Einsparungen konnten etwa bei der Flotte erzielt werden, die ThyssenKrupp Steel Europe mit Rohstoffen versorgt. Sie besteht aus elf Streckenschubschiffen. Um diese gut auszulasten, wurden bisher meist vier Schubleichter pro Fahrt gekoppelt. Innerhalb eines begrenzten Bereichs des Rheinpegels sind allerdings sechs möglich. Ein Betriebsversuch hat nun die Annahme bestätigt, dass durch die Maximierung der sogenannten 6er-Fahrten die Flotte mit einem Schubboot weniger auskommt – eine Erkenntnis, die über drei Millionen Euro pro Jahr spart.

Das ist nur eine von vielen erfolgreichen Maßnahmen des Programms, das insgesamt Einsparungen in Höhe von knapp 500 Millionen Euro bringen soll. Dafür muss in manchen Fällen zunächst einmal eine größere Summe ausgegeben werden: Am Hochofen 1 in Schwelgern etwa werden 1,9 Millionen Euro investiert, um die Abwärmenutzung der Sinterbanddrehkühler zu verbessern. Durch die bessere Energieeffizienz können künftig fast 1,3 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden.

Qualitätsoffensive gestartet

Die langfristige Verbesserung der Produktqualität, eine schnellere Entwicklungszeit von Innovationen, effizientere Abläufe und auch eine bessere Zusammenarbeit der einzelnen Bereiche sind ebenso wichtig wie Einsparungen. So werden mehr als 90 Millionen Euro in den Umbau der Stranggießanlage 1 in Duisburg-Beeckerwerth investiert. Die Anlage soll in Zukunft verstärkt höher legierte Güten erzeugen. Dabei sorgen technische Innovationen für weniger Abbindungen und Nacharbeiten im gesamten Weiterverarbeitungsprozess und eine Optimierung der Durchlaufzeiten – ganz im Sinne der Kunden.

Strukturänderungen vorangetrieben

Nach sorgfältigen Analysen hat der Vorstand der ThyssenKrupp Steel Europe AG entschieden, auch Produktionsmengen zu verlagern. Die Feuerverzinkungslinie Galmed im spanischen Sagunto wird deshalb stillgesetzt, ebenso das Feinblechwerk in Neuwied, das bis zum Jahr 2016 schrittweise außer Betrieb genommen wird. Zudem sollen die Bandbeschichtungsanlage 1 in Duisburg und die Elektrolytische Beschichtungsanlage 4 in Dortmund stillgelegt werden. Für Electrical Steel GO ist der Verkauf geplant. Das Bochumer Werk für nicht kornorientierte Elektrobandproduktion wurde in den Direktionsbereich Walzen und Veredeln Bochum von ThyssenKrupp Steel Europe integriert.

Personalsituation sozial abgefedert

Die Personalkosten zu senken, ist unausweichlich. Der mit BiC Reloaded verbundene Personalabbau wird jedoch durch Sozialpläne und Interessenausgleiche der jeweiligen Gesellschaften geregelt. Dadurch werden die Belastungen für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitgehend abgefedert.

Der Interessenausgleich für die ThyssenKrupp Steel Europe AG sieht eine temporäre Arbeitszeitverkürzung für alle tariflichen Mitarbeiter vor. Für Mitarbeiter, deren Stelle entfällt und die einen entsprechenden Rentenzugang haben, wird ein Ausscheiden durch Altersteilzeit ermöglicht. Auch die AT-Angestellten werden einen Beitrag leisten.

In Neuwied wird möglichst vielen Mitarbeitern ein Wechsel in das Andernacher Werk von ThyssenKrupp Rasselstein angeboten werden. Bei Rasselstein sind Altersteilzeit- und Abfindungsregelungen, der Abbau von Leiharbeit, das Auslaufen von Zeitverträgen und eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit ab dem Geschäftsjahr 2014/2015 vorgesehen.

Ein Teil der Mitarbeiter bei Galmed hat die Möglichkeit, in Deutschland einen Arbeitsplatz anzunehmen. Die Maßnahmen in Spanien umfassen darüber hinaus Austrittsregelungen, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Mit den getroffenen Regelungen werden möglichst viele Mitarbeiter und wichtiges Erfahrungswissen an Bord gehalten. Denn eines ist klar: Klassenbester wird das Unternehmen nur durch qualifizierte und motivierte Mitarbeiter.