In der Wirklichkeit angekommen

Mit einem schillernden Event präsentiert thyssenkrupp den ersten Magnetschwebeaufzug der Welt – und erhält weltweit großes mediales Interesse. we.online war dabei, als der MULTI das erste Mal fuhr und nimmt sie mit hinter die Kulissen einer der spannendsten Kundenveranstaltungen des Jahres.

Verwirklichung einer bahnbrechend klingenden Idee: Der erste seillose und seitwärts fahrende Aufzug der Welt

“Kollegen… ist das System bereit?“ Wer Markus Jetter und sein Team kennenlernt merkt schnell: Sie bilden eine Einheit. Die Worte des MULTI-Chefentwicklers hallen durch den schmalen Raum, in dem sich Medienvertreter und Ingenieure drängen. Hinter der hohen transparenten Scheibe eröffnet sich der Blick in einen Aufzugsschacht, der zugleich aussieht, als wäre er Teil einer Raumstation. Inmitten eines aufwärts und quer verlaufenden Schienengerippes, an dem hunderte kleiner Linearmotoren blinken, schwebt die tk-blaue Aufzugskabine mit geöffneten Türen. Von Jetters Team kommt eine Bestätigung, dann wird feierlich ein Countdown heruntergezählt.

Der MULTI fährt…

„Drei… zwei… eins“ Elevator-CEO Andreas Schierenbeck drückt auf den tk-blauen Buzzer. Die Türen der schwebenden Aufzugskabine schließen sich. Dann gleitet die Kabine nach links hinüber, und wechselt fast lautlos den Schacht. Lediglich ein leises, futuristisches Surren erklingt. “Er fährt seitwärts … das tun Aufzüge nicht“, murmelt Gastmoderator Ben Hammersley neben Jetter. „Seit dem 22. Juni 2017 … tun sie das!“ entgegnet der.

Die Kabine verharrt noch einen Augenblick, saust urplötzlich mit Leichtigkeit hinauf und verschwindet im Aufzugsschacht. Applaus bricht aus. Aus der Vision des MULTI, des ersten seillosen und seitwärts fahrenden Aufzugs der Welt, ist Realität geworden. Zeitgleich erklingt auch in dem kugelförmigen Zelt am Fuße des Testturmes begeisterter Jubel.

„Drei… Zwei… Eins…“: Markus Jetter und Elevator-CEO Andreas Schierenbeck aktivieren den MULTI

Feierliche Produktvorstellung im thyssenkrupp Testturm

Es ist wertvoller Applaus. Denn im Zelt wohnen Kunden und Medienvertreter aus aller Welt über eine gewaltige Leinwand dem technologischen Spektakel bei. Es ist der Höhepunkt einer Produktpräsentation mit dem Titel „MULTI - A New Era of Mobility in Buildings“. Es geht um die Verwirklichung einer bahnbrechend klingenden Idee: Einen Aufzug, der auf das Seil verzichtet, der durch Magnettechnik angetrieben wird, dessen Kabinen sich daher in beliebiger Anzahl stapeln lassen und auch seitwärts fahren kann.

Etwa 200 Gäste sind in das süddeutsche Städtchen Rottweil gekommen. Weiße Busse haben sie am Fuße des 246-Meter thyssenkrupp Testturms abgeladen. Journalisten, Architekten, Immobilienmanager. Das „Who is Who der Hochhausentwickler ist hier“, hört man einen der geladenen Kunden erstaunt sagen. Denen soll thyssenkrupp Elevator eine eindrucksvolle Show abliefern, inklusive eines eigenen MULTI-Songs. (Sehen sie hier die gesamte Präsentation)

Eine neue Ära der Mobilität in Gebäuden

„MULTI ist der Schlüssel zum Umbruch in der Aufzugsindustrie“, erklärt Andreas Schierenbeck, als er dann auf der Bühne im Veranstaltungszelt vor den versammelten Gästen steht. 160 Jahre lang hat der Seilaufzug die Branche dominiert. „Es war eben Zeit für etwas Neues“ fügt Schierenbeck hinzu. Im Publikum lauscht man aufmerksam. Denn die neue Technologie benötigt weniger und kleinere Schächte als konventionelle Systeme und kann so die nutzbare Fläche in Gebäuden um bis zu 25 Prozent erhöhen. Die gewonnene Fläche kann vermietet werden und sorgt so für zusätzliche Einnahmen. Ein klarer Vorteil gegenüber seilgebundenen Aufzugssystemen, die einen großen Anteil der Geschossfläche für Schächte und technische Ausstattung verbrauchen.

MULTI bietet zudem einen gleichmäßigeren Energieverbrauch und erheblich geringere Wartezeiten. Nicht zuletzt fallen durch die neue Technologie viele heutige Hemmnisse der Konstruktion von Gebäuden weg: Eine vollkommen neuartige Architektur ist denkbar.

Der seitwärts fahrende Magnetaufzug. Niemand zweifelt daran, dass das eine spannende Geschichte ist, die auch zuhause am Küchentisch aufhorchen lässt. Aber kann das auch Immobilienmanager überzeugen?

Kunden nach Ankunft in Rottweil: Staunen über den thyssenkrupp Testturm

So könnte eine MULTI-Kabine einmal aussehen

Coen van Oost, CEO von OVG Real Estate: thyssenkrupp hat den ersten MULTI-Kunden!

„Drei… Zwei… Eins…“: Markus Jetter und Elevator-CEO Andreas Schierenbeck aktivieren den MULTI

Blick in den MULTI-Schacht: Als wäre er Teil einer Raumstation

MULTI in Aktion: Lediglich ein leises, futuristisches Surren erklingt

Der 246-Meter hohe Testturm für Aufzugsinnovationen: Eine der spannendsten Forschungseinrichtungen des Konzerns

Der erste MULTI fährt in Berlin

Eine Stunde vor Showbeginn steht Coen van Oost fasziniert in der lichten Kundenlobby des Testturms. Er mustert die dunkle Aufzugskabine aus der ein kreisrundes Display bläulich leuchtet. „Das ist faszinierend!“ ruft er begeistert. Der hochgewachsene Niederländer ist CEO des Immobilienentwicklers OVG Real Estate, die sich besonders mit ihren nachhaltigen Gebäudekonzepten einen Namen gemacht haben.

Van Oost dreht noch schnell ein Video mit seinem Smartphone und lässt es dann schnell in der Brusttasche seines blauen Maßanzugs verschwinden. Auf dem Weg zum Veranstaltungszelt lacht er: „Heute dachte ich mal, für eine deutsches Unternehmen ziehe ich mal einen Anzug und schicke Schuhe an. Und ihr von tk lauft alle mit diesen blauen Sneakers herum!“

Eine Stunde später tritt van Oost zusammen mit Schierenbeck auf die Bühne. Er erweist sich als besonderer Kunde. Zunächst erzählt er von seinen nachhaltigen Gebäuden und preist den Magnetaufzug als technologisches Meisterwerk. Dann lässt er die Bombe platzen: Der erste MULTI wird in einem neuen, von OVG Real Estate geplanten Gebäude in Berlin installiert werden. Der East Side Tower in Berlin wird rund 140 Meter hoch werden und bis 2020 fertiggestellt sein. thyssenkrupp hat den ersten MULTI-Kunden!

MULTI ist ein Symbol für jeden bei thyssenkrupp

Dass thyssenkrupp es tatsächlich geschafft hat, ist ein Symbol. Einserseits für jeden Mitarbeiter von thyssenkrupp Elevator, wie es am Tag der Eröffnung auch von Andreas Schierenbeck in einem Beitrag auf we.connect gewürdigt wurde. (Lesen sie den Beitrag hier)

Andererseits ist er auch ein Symbol für den gesamten thyssenkrupp Konzern, der in diesem Jahr seine Kompetenzen bei urbaner Mobilität unter Beweis stellt. Deshalb, weil es die Vorteile bezeugt, den die Zusammenarbeit im Gesamtkonzern schafft. Denn für das MULTI Projekt kam die Linearmotor-Technologie von thyssenkrupp Transrapid zum Einsatz, das thyssenkrupp TechCenter Carbon Composites hat viel zum Leichtbau des Kabinendesigns beigetragen, und nicht zuletzt kam die Expertise von thyssenkrupp Elevator bei Konstruktion, Test und Betrieb von Aufzugsanlagen zum Tragen.

Engineering. Tomorrow. Together.

Und Markus Jetter und sein Team? Die Sonne senkt sich langsam. Außerhalb der weißen Zeltkugel ist es leer geworden. Kunden und Pressevertreter sind längst abgereist. Jetter und sein Team stehen um die hüfthohe Säule mit dem Buzzer herum. Mit schwarzen Stiften haben Sie alle unterschrieben. Sie sind die letzten an diesem Abend und feiern ihren Erfolg, manche gönnen sich ein Bier. Die Anspannung der letzten Wochen fällt ab. Der 22. Juni als festes Datum der globalen Produktpräsentation hatte bereits seit Monaten festgestanden. Am Ende sollte alles genau nach Plan verlaufen!

„Ihr seid das größte Team! Ich danke Euch, Ihr habt großartiges geleistet. Es ist mir aber das wichtigste, dass Ihr alle gesund geblieben seid“, erklärt Jetter. An diesem Abend wird zu Recht gefeiert, denn neben der ganzen Show war es eigentlich ihr Tag. Und zugleich ist dieser Abend ein neuer Startschuss, mit dem der MULTI in die nächste Phase geht. Denn bis zum Ende des Jahrzehnts wird er als fertiges Produkt in Coen van Oosts Tower in Berlin eingebaut werden. Doch das ist heute in weiter Ferne. Erst morgen geht es wieder los!

Lesen Sie in der kommenden Elevator –Ausgabe von we.print über das Team hinter dem MULTI

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