Mehr Spaß, weniger Stress

Mit der Integration von Microsofts HoloLens in den Servicebetrieb setzt thyssenkrupp Elevator konsequent den Weg der Digitalisierung fort. Techniker nutzen künftig computergestützte 3-D-Anwendungen und virtuelle Hilfe aus der ganzen Welt, um die Betriebszeiten von Aufzügen zu erhöhen.

Die Aufzugsbranche bricht ins digitale Zeitalter auf, und thyssenkrupp Elevator ist der Vorreiter. Als erstes Unternehmen nutzt es bei der Wartung und Reparatur von Aufzugsanlagen sogenannte Mixed Reality, die Verzahnung von computererzeugten visuellen Informationen mit der realen Umgebung. Zum Einsatz kommt dabei eine auf die spezifischen Anforderungen von Elevator zugeschnittene Version von Microsofts HoloLens. Das Gerät, das wie eine Komposition aus futuristischer Sonnenbrille und kompaktem Schutzvisier aussieht, funktioniert als eigenständiger Rechner auf Basis von Windows 10 und erzeugt holografische Darstellungen von Objekten.

24.000 Service-Technikern will thyssenkrupp nach und nach den Zugang zum High-Tech-Equipment ermöglichen. Wie schon das cloudgestützte Wartungssystem MAX soll der Einsatz der HoloLens die Stillstandzeiten von Aufzügen verringern. „Ziel ist es, unsere Effizienz deutlich zu steigern“, sagte Andreas Schierenbeck, CEO thyssenkrupp Elevator auf der Präsentation der HoloLens am 15. September in New York. „Wir wollen die Betriebszeiten unserer Aufzüge erhöhen und die Servicearbeiten an den Anlagen beschleunigen, damit die Benutzer stets eine sichere und komfortable Fahrt erleben.“ Schierenbeck ergänzte: „Wir führen den Wandel in der Aufzugsindustrie an und setzen dabei weiter auf die neuesten Technologien.“

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Microsoft hat die HoloLens 2015 herausgebracht. Der Träger kann 3-D-Anwendungen in sein Blickfeld holen, die er mittels Gesten und Stimmbefehlen steuert. Dabei bleibt dank des transparenten Bildschirms die Sicht auf die Umwelt erhalten. Die HoloLens generiert dadurch eine Mixed-Reality, die über Anwendungen wie Google-Glass weit hinausgeht.

Servicetechniker von thyssenkrupp Elevator werden zunächst die Bildtelefonie-Funktion der HoloLens via Skype nutzen. Damit können sie weltweit Fachleute aus Niederlassungen und Werken live und mit Bild in die Problemsuche und Fehlerbehebung einbinden. Und haben dank HoloLens selbst beide Hände frei, um die erforderlichen Handgriffe durchzuführen. Die Vorzüge der HoloLens kommen besonders bei Aufzugsanlagen zum Tragen, die von anderen Herstellern installiert wurden und bei denen thyssenkrupp die Wartung übernommen hat.

Als weitere Einsatzfelder der HoloLens kommen mittelfristig Training und Ausbildung infrage. Zum einen lassen sich Jobs mit den holografischen Abbildungen im Vorhinein durchspielen, zum anderen können gebräuchliche und häufig auftretende Reparaturschritte mit der HoloLens eingeübt werden. Ein weiterer Pluspunkt der HoloLens: Sie macht die Arbeit vor Ort an den Anlagen sicherer, indem sie anzeigt, wo Gefahren auftreten, zum Beispiel hohe Stromspannungen.

Die Pilotphase der HoloLens wird Ende des Jahres abgeschlossen sein. Erste Feedbacks aus dem sogenannten Safety-Audit lieferten ein positives Bild. Die HoloLens sei bequem zu tragen, sie enge das Blickfeld nicht ein und sei leicht zu handhaben, hieß es. CEO Andreas Schierenbeck prophezeite: „Die Techniker werden ihren Job künftig besser erledigen. Mit weniger Stress und mit mehr Spaß!“

Vier Fragen an Thomas Felis, Projektleiter HoloLens bei thyssenkrupp Elevator

Wann wussten Sie, dass die HoloLens für thyssenkrupp Elevator wie geschaffen ist?

Als Microsoft die HoloLens präsentierte, war uns schnell klar, dass das Gerät viel mehr konnte als alles, was bisher im Bereich Mixed Reality auf dem Markt war. Sie ist als kompletter Computer unglaublich leistungsstark, sie erlaubt das Hands-free-Arbeiten, sie lässt sich auf verschiedene Arten bequem steuern und verknüpft reale und virtuelle Welt auf sinnvolle Weise. All das können wir für unseren Service sehr gut gebrauchen.

Wo sehen Sie den größten Nutzen der HoloLens?

Zunächst im Remote Troubleshooting, also in der Einbindung von Fachkräften von außen, die dem Techniker vor Ort ein schnelleres und effektiveres Arbeiten ermöglichen, sei es, dass ein Kollege mit Expertenwissen zu Rate gezogen wird, sei es der unmittelbare Zugriff auf eine bestimmte Information. Am Ende ist es doch so: Der Kunde hat ein Problem mit einem Aufzug und erwartet eine rasche und nachhaltige Lösung. Dabei kann uns die HoloLens helfen.

Wird die HoloLens im Werkzeugkasten des Servicetechnikers irgendwann so selbstverständlich sein wie, sagen wir mal, Zange und Schraubenschlüssel?

Warum nicht, das ist eine schöne Vision. Allein die Möglichkeiten, sich als Techniker mit der HoloLens auf einen Job vorzubereiten! Oder ihr Potenzial in der Datenspeicherung! Zu einzelnen Anlagen könnten Ausfallzeiten und ihre Ursachen abgerufen und zusammen mit MAX Wartung und Reparatur miteinander verzahnt werden.

Nicht jeder Techniker ist ein Technik-Freak. Was sagen Sie demjenigen, der einem defekten Aufzug lieber weiterhin mit Schraubendreher und Maulschlüsse auf den Leib rücken will.

Die wollen wir ihnen ja nicht wegnehmen. Aber wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass ein Gerät wie die HoloLens die Arbeit einfacher und sicherer macht. Und damit zu schnelleren und besseren Lösungen für unsere Kunden führt. Darauf kommt es an.

Thomas Felis, thyssenkrupp Elevator