„Wir merken, dass die Menschen mehr zu Hause essen“

Die Corona-Pandemie hat extrem negative Auswirkungen auf die Wirtschaft weltweit. Das spüren auch wir bei thyssenkrupp auf dramatische Art und Weise. An den meisten Standorten mussten wir die Produktion drastisch drosseln oder sogar vorübergehend aussetzen. Insbesondere im Automobilgeschäft stehen die Werke vorübergehend komplett still. Anders sieht die Lage erfreulicherweise bei thyssenkrupp Rasselstein aus, denn die Nachfrage nach Verpackungsstahl für Dosen aller Art ist in der Krise gestiegen. Rasselstein-CEO Dr. Peter Biele spricht im Interview darüber, wie es in seinem Bereich in Zeiten der Corona-Pandemie läuft und wie seine Mannschaft mit der Situation umgeht.

Die Leute hamstern momentan nicht nur Toilettenpapier, sondern auch Konserven. Spüren Sie das auch bei der Nachfrage nach Verpackungsstahl?

Ja, ganz eindeutig. Hamstern mag einen Teil beitragen, sicherlich aber nicht wie beim Klopapier, das jetzt nicht stärker verbraucht wird als sonst. Wenn aber Schulen, Restaurants und Kantinen geschlossen haben, essen die Menschen wieder mehr zu Hause und in den Familien. Das merken wir. Was wir aber auch sehen ist, dass zum Beispiel chemische Gebinde, also Farbeimer etc. gut laufen. Dank offener Baumärkte streichen die Bürger fleißig ihre Wände.

Welche Erwartungen haben Sie an das laufende Geschäftsjahr? Was sind Ihre Prioritäten?

Eine Prognose, wie lange die Pandemie die stärkere Nachfrage beflügelt, ist kaum möglich. Sie ist nicht nachhaltig, das wissen wir, aber sie kann noch eine Weile andauern. Wichtig ist jedoch, dass wir unser reguläres Geschäft nicht aus den Augen verlieren. Gerade in diesen Wochen beginnt mit den ersten Ernten die übliche Hochsaison für uns – die Zeit, in der wir viel Verpackungsstahl zum Beispiel für Gemüsekonserven absetzen. Die Nachfrage ist bisher auf einem konstanten Niveau. Gut für unser Geschäft ist, dass es in Südeuropa noch normal regnet. Wir hoffen, dass die aktuelle Regenarmut in Nordeuropa nicht den Sommer 2020 bestimmt. Unsere Prioritäten liegen klar auf der Sicherstellung einer stabilen Produktion in Andernach. Unser Material ist begehrt und die Kunden bringen uns ein großes Vertrauen entgegen. Das wollen und werden wir nicht enttäuschen.

Was hat sich bei Rasselstein durch die Corona-Schutzmaßnahmen geändert? Wie ist die Stimmung bei Ihren Mitarbeitenden?

Es zahlt sich jetzt aus, dass wir schon seit Jahren Vorkehrungen getroffen haben, um gut vorbereitet auf Pandemie-Szenarien reagieren zu können. Extrem wichtig ist unser Krisenstab, der täglich tagt und professionell die notwendigen Entscheidungen trifft. Im Betrieb achten wir auf die strikte Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Rund 200 Mitarbeitende arbeiten im Homeoffice oder nur dann in der Firma, wenn die Büros einzeln besetzt sind. Zudem kommunizieren wir täglich an unsere Belegschaft die „Dos and Don‘ts“. Es ist extrem wichtig, dass wir alle auf uns selbst und auf unsere Kolleginnen und Kollegen aufpassen. Und gleichzeitig ist es wichtig, dass wir uns in einer Zeit, in der vieles anders und auch schwieriger ist, gegenseitig motivieren.

Gibt es denn bei Ihnen im Bereich auch Corona-Fälle?

Ja, vier unserer Kollegen hatten sich infiziert. Durch sofort eingeleitete Isolationsmaßnahmen haben sie niemanden bei uns angesteckt. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass wir als Unternehmen, aber auch jede und jeder Einzelne verantwortungsvoll mit der Situation umgehen. Wir alle können nicht vorsichtig genug sein. Zum Schluss möchte ich deshalb auch einen Gruß an alle bei thyssenkrupp weltweit loswerden: Bleibt gesund!

thyssenkrupp Rasselstein gehört zu den global führenden Herstellern von hochwertigem, mit Präzision gefertigtem Verpackungsstahl. Der Standort Andernach in Rheinland-Pfalz ist die weltweit größten Produktionsstätte dieser Art. Dort werden jährlich 1,5 Mio. Tonnen Verpackungsstahl hergestellt. Die rund 2.400 Mitarbeitenden bedienen in einer Vielzahl von Märkten circa 400 Kunden in 80 Ländern. Darunter sind Hersteller von Lebensmittel- und Tiernahrungsdosen, Getränke- und Aerosoldosen, Behältern für chemisch-technische Füllgüter wie zum Beispiel Farben sowie von Kronkorken und Drehverschlüssen.