„Im Zweifel: pro Mensch!“

Anlässlich des Welttags für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz spricht Personalvorstand Oliver Burkhard mit Felicia Mutterer über we care 2020, Arbeitssicherheit und Corona bei thyssenkrupp und eine mögliche Rückkehr zur Normalität.

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Felicia Mutterer: Gerade erst war der Welttag für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz – eigentlich ein Tag, an dem thyssenkrupp mit Mitmachaktionen und Team-Events für die Mitarbeitenden startet. Dieses Jahr ist allerdings alles anders. Darüber müssen und wollen wir sprechen. Herzlich willkommen zum Audiogramm Nummer 7. Ich bin Felicia Mutterer und freue mich über den Personalvorstand Oliver Burkhard als meinen kompetenten Gesprächspartner. Ich grüße Sie, Herr Burkhard.

Oliver Burkhard: Ich grüße Sie auch, Frau Mutterer, hallo.

Felicia Mutterer: Die Corona-Pandemie bestimmt weiterhin weite Teile des Lebens, auch das von Ihnen und von thyssenkrupp. Wie geht es denn?

Oliver Burkhard: Ja wie geht es – es muss natürlich gehen in diesen Tagen. Wir haben ja schon sehr frühzeitig, glaube ich, die Losung herausgegeben: Die Gesundheit unserer Mitarbeitenden schützen und die Geschäfte. Und das tun wir jetzt seit mehreren Wochen. Ich glaube, es ist überall angekommen, dass wir das ernsthaft betreiben. Dass das etwas ist, was uns natürlich noch eine Weile fordert, das wissen wir alle. Und da muss auch der schöne Tag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, der ja mal von der International Labour Organisation eingeführt wurde, den wir jedes Jahr hier ja auch begehen, eben anders stattfinden.

Felicia Mutterer: In welcher Art und Weise findet denn dieser, wie Sie ihn ja auch nennen, we care Day statt?

Oliver Burkhard: Wir haben keine üblichen Aktionen, die ja normalerweise darin bestehen, dass man die Mitarbeitenden versammelt. Das können wir heute nicht machen. Wir müssen uns an die Abstandsregeln halten und damit wird es dann auch schon schwerer. Aber wir können natürlich jede Menge darüber hinaus tun, nämlich digital, virtuell. Wir haben alle Mitarbeitenden dazu aufgerufen, sich Gedanken zu machen, wie man gemeinsam auch mit Abstand einen Beitrag leisten kann. Ich sehe heute sehr viele Aktionen in den neuen Medien, sei es bei LinkedIn, Twitter, Facebook, die tk-Gemeinschaft ist reichlich aktiv und sensibilisiert an einem von 365 Tagen eben mal wieder zu dem Thema Arbeitssicherheit und Gesundheit.

Felicia Mutterer: Wie sehen Sie das denn im Verhältnis, also dass natürlich Gesundheit ein großes Thema ist, aber tatsächlich alles wieder überschattet wird von Corona?

Oliver Burkhard: Genau, Sie sprechen da ein Thema an, das uns alle sehr bewegt, gerade in den letzten Tagen. Wir haben zwei Mitarbeitende von thyssenkrupp, aktive Mitarbeitende, die an Corona verstorben sind. Ein Fall in Großbritannien, und ein Fall hier in Deutschland. Das waren Menschen, mit denen wir in den vergangenen Monaten, teilweise Jahren, zusammengearbeitet haben. Das heißt, wir sind als Unternehmen natürlich auch nicht frei davon, wie jeder andere Teil der Gesellschaft, dass dies eben dann auch ganz nah an uns herankommt, und deswegen tun wir das, was geboten ist in diesen Zeiten: Wir halten uns an die Empfehlungen der Expertinnen und Experten. Das ist glaube ich besser, als wenn man sich selber sozusagen zum Experten erklärt. Natürlich können wir Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, aber Corona ist ein Thema, das uns alle ganz neu fordert, und wir versuchen das technisch umzusetzen, wir versuchen das organisatorisch umzusetzen, und wenn es nicht anders geht, ebenfalls auch persönlich, das heißt: Mund-Nasen-Schutz, Abstandsschutz, Hygieneregeln, das nehmen wir sehr ernst und fordern alle Beschäftigen auf, selbige auch einzuhalten.

Felicia Mutterer: Ja genau, und dann eben auch mit digitaler Hilfe, mit den digitalen Mitmachaktionen, zum Beispiel bei we.connect.

Oliver Burkhard: Genau, in unseren internen sozialen Medien wie we.connect genauso wie auch in den externen. Es ist insofern schön zu sehen: Das Thema Corona lässt sich, auch wenn es ein furchtbares Thema ist, eben auch mit etwas Positivem verbinden, nämlich dass die Gesundheit unserer Mitarbeitenden an erster Stelle steht. Und das kann man an so einem Tag durch ganz verschiedene Aktionen eben auch sehr deutlich machen.

Felicia Mutterer: Was gibt es denn in Sachen Gesundheit und Arbeitsplatzsicherheit konkret aufzufrischen bei Ihnen?

Oliver Burkhard: Wir haben immer wieder, permanent quasi, das Arbeitssicherheit als Thema in unseren Betrieben, und ich glaube, dass es ganz wesentlich auf die Kultur ankommt, auf die Arbeitssicherheitskultur. Sie wird im Arbeitsalltag gemacht, oder sie wird dort zerstört. Und das basiert auf einem Regelwerk, das ist unterschiedlich, für einen Elevator-Monteur wahrscheinlich anders als für jemanden, der hier im Headquarter arbeitet. Aber letztendlich kommt es darauf an, dass wir uns an diese Regeln halten, dass wir die guten Vorsätze nicht jeden Tag Stück für Stück fallen lassen – weil da hilft auch kein Welttag –, und uns jeden Tag auf sicheres Verhalten besinnen. So ein bisschen wie beim Zähneputzen, das muss in Fleisch und Blut übergehen, ohne dass man mit den Jahren ein Stück seltener oder weniger gründlich putzt. Unsere Unfallrate ist nur noch ein Drittel so hoch, wie sie mal war, als wir hier gemeinsam die Projekte angegangen sind. Ich denke da zum Beispiel an unsere we check-Kampagne, oder wir haben eine we stop-Karte ausgegeben – Jeder Beschäftigte hat das Recht, seine Arbeit sofort zu stoppen, wenn er sich in einem unsicheren Arbeitsumfeld bewegt, und den Vorgesetzten hinzuzuziehen, um das Umfeld wieder zu einem sicheren zu machen. Das waren alles keine einmaligen Aktionen, sondern das sind – neben alle Handlungshilfen – wichtige Dinge.

Felicia Mutterer: Jetzt muss ich noch einmal zurückkommen auf dieses Coronathema: Im Moment haben wir (?) in Deutschland und Österreich die Situation, dass die Maßnahmen ja gelockert werden. In Deutschland zum Beispiel dürfen die Geschäfte unter Auflagen wieder öffnen, die Schulen ebenfalls, und in Österreich dürfen die Leute sogar ab Mai wieder ausgehen. Jetzt sieht das alles so ein bisschen aus als wäre dieses Risiko jetzt schon minimiert, wir über den Berg, und thyssenkrupp kann auch bald wieder zur totalen Normalität übergehen.

Oliver Burkhard: Ich bin da skeptischer, muss ich sagen. Ich verstehe natürlich die derzeit laufenden Diskussionen: Wieviel Lockerungen verträgt dieses Virus, und wieviel Zurückhaltung muss ich noch an den Tag legen, damit es nicht schlimmer wird. Ich glaube, dass wir nach wie vor gut beraten sind – bei allen wirtschaftlichen und politischen Drängen, die es da möglicherweise gibt – uns hier auf den Rat der Experten zurückzuziehen. Und die sind da doch etwas vorsichtiger. Jetzt ist die Lebenssituation bei den Mitarbeitenden wahrscheinlich sehr sehr unterschiedlich, aber ich meine schon, dass wir sehr achtsam sein müssen. Und das ist auch die Linie, die wir für tk ausgeben. Wir haben 35.000 Menschen derzeit im Home Office sitzen und es funktioniert ganz gut. Die Frage ist: Was funktioniert nicht, wenn wir weiter vom Home Office arbeiten? Und die Antwort ist in der Regel: Nee, das geht eigentlich. Und dann sage ich, dann bleiben wir lieber vorsichtig, bevor wir zu früh die Lockerungen vorantreiben, die dann dazu führen, dass es zu einer zweiten Welle kommt. Ich bin in meinem Leben eigentlich immer kein sehr vorsichtiger Mensch gewesen, aber ich bin aufmerksam. Und diese Aufmerksamkeit braucht, glaube ich, dieses Virus noch und auch die entsprechende Reaktion von uns als Unternehmen.

Felicia Mutterer: Wie treffen Sie denn da Entscheidungen? Also, Sie gucken da nicht nur auf die Politik, sondern wie machen Sie das intern?

Oliver Burkhard: Intern haben wir jeden Morgen einen Call mit Führungskräften, die unmittelbar mit diesem Thema beschäftigt sind, alle zwei Tage mit unserem Geschäft. Wir schauen uns das ganz genau an, wie die jeweiligen Entwicklungen in den einzelnen Ländern sind, das ist sehr unterschiedlich. Wir passen das lokal an, aber geben eben generelle Empfehlungen. Sei es das Tragen von Masken, sei es wie wir eigentlich mit den Abstandsreglungen im Betrieb fertig werden, was ist, wenn wir die nicht einhalten können? Wie schützen wir dann unsere Mitarbeitenden. Also, es ist eine sehr vielfältige Antwort, die aber immer ein Grundthema hat, bei dem bleiben wir: Wir wollen unsere Mitarbeitenden schützen. Wir müssen unsere Geschäfte schützen. Das müssen wir in Einklang bringen. Und wenn wir im Zweifel sind, dann entscheiden wir immer pro Mensch.

Felicia Mutterer: Worauf kommt es jetzt an beim Versuch, mit dem nötigen Augenmaß wieder Schritte in Richtung Normalität zu schaffen?

Oliver Burkhard: Erstens: Die Einhaltung der verschiedenen Maßnahmen zum Schutz vor Corona, wie wir sie auch schon kommuniziert haben in den letzten Wochen, die bleibt wichtig. Richtig Husten und Niesen, Abstand halten, Verzicht auf Händeschütteln. Das Zweite ist: Wir werden technisch überall dafür sorgen, wo wir den Abstand nicht einhalten können, dass wir entsprechende Schutzmaßnahmen – Plexiglaswände zum Beispiel zwischen zwei Arbeitsplätzen – einrichten werden. Wir werden organisatorisch versuchen, drei Schichten statt einer einzuführen, sozusagen, um die Menge der Mitarbeitenden zu entzerren, dass nicht zu viele auf einem Fleck sind und sich gegenseitig anstecken können. Und da wo es nötig ist, werden wir auch Masken ausgeben, die zum persönlichen Schutz ebenfalls geeingnet sind. Es muss sich niemand schlecht fühlen, in diesen Zeiten zu tk zu kommen und dort zu arbeiten. Wir geben – gemeinsam, glaube ich – aufeinander acht. Dazu gehört Vorsorge des Unternehmens genauso wie verantwortungsvolles Handeln jeder einzelnen Person, die bei uns arbeitet.

Felicia Mutterer: „Safety first“ ist das Motto. Danke, Oliver Burkhard, Personalvorstand von thyssenkrupp, für die Informationen. Das war das Audiogramm Nummer Sieben. Geben Sie acht auf sich und bleiben Sie gesund. Auf Wiederhören.