One-Way-Ticket: Roberto Miranda followed his passion for cars to China

Als Roberto Miranda vor sieben Jahren nach China kam, sprach er kein Wort Chinesisch. Der Ingenieur musste sich mit Zetteln durchschlagen, auf denen die gebräuchlichsten Wörter und Sätze in chinesischen Schriftzeichen notiert waren. Die zeigte der Brasilianer dann vor, wenn es nötig war, etwa beim Einkaufen im Supermarkt oder auf dem Weg zu Geschäftsterminen. Heute ist der Head of Research & Development von thyssenkrupp Engine Components China in Nanjing nicht nur perfekt in das chinesische Leben integriert, Roberto erhielt sogar eine Auszeichnung von der Kommunalverwaltung der Millionenmetropole.

Bis vor sieben Jahren war Roberto Head of Product Engineering im Werk Campo Limpo, dem 1961 eröffneten ersten thyssenkrupp Werk in Südamerika. 2013 erhielt der Ingenieur dann das Angebot, die Position des Product Engineering Managers im neu errichteten Werk in Nanjing zu übernehmen. Roberto hatte bereits intensiv bei der Errichtung des Werks in der Millionenmetropole im Osten Chinas mitgearbeitet.

Mit der Familie von Brasilien nach China

„Mit der Aufgabe kam auch die Chance, mich von den bekannten Bedingungen in Brasilien abzukoppeln und in ein völlig neues Umfeld einzutauchen - voller Herausforderungen und auch persönlicher Chancen“, erinnert sich Roberto zurück. „Und auf jeden Fall hatte ich das Glück, auch meine Frau und meine Söhne mitzubringen".

Sich in einem fremden Land neu zu orientieren, einen neuen Lebensmittelpunkt aufzubauen – eine riesige Herausforderung für die Mirandas. Vor allem in einer Stadt mit rund 5,8 Millionen Einwohnern, die reich an Geschichte und Kultur ist. Entscheidende Unterstützung erhielt die Familie von thyssenkrupp. „Damals gab es ein Programm namens ‚Look and See‘, das meiner Familie die Möglichkeit bot, das Gastland zu besuchen und die Kultur, die Lebensweise der Menschen sowie die Suche nach einer Unterkunft, einer Schule für Kinder und Gesundheitseinrichtungen zu verfolgen“, berichtet Roberto.

Kulturelle Unterschiede – aber auch viele Gemeinsamkeiten

„All das verlangte auch von meiner Seite eine Veränderung durch das Kennenlernen einer anderen Kultur und Arbeitsweise“, erzählt Roberto. Trotz der kulturellen Unterschiede erkannte der heute 47-Jährige doch viele Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel in Bezug auf die ausgeprägte Lernbereitschaft und die generelle Bereitschaft, Neues auszuprobieren. „Ich konnte auch einen umfassenden Sinn für Sicherheit, Arbeitsorganisation und eine an der Kundenzufriedenheit orientierte Produktion feststellen“, so der Automotive-Spezialist. „Ich musste auch den Standpunkt des anderen mehr akzeptieren und wurde dadurch tatsächlich ein kompletterer Mensch.“

Beruflich konzentrierte sich Roberto immer schon auf die Gebiete Produkt- und Verfahrenstechnik. „Als ich mich entschied, zu thyssenkrupp zu kommen, hatte ich bereits Erfahrungen im Aftermarket- und Automobilgeschäft“, verrät Roberto. „Aber thyssenkrupp Metalurgica Campo Limpo hat mir eine weitere Perspektive aufgezeigt: Die Zusammenarbeit mit dem Vertrieb und dann die direkte Ansprache der wichtigsten Automobilkunden auf dem Markt. Dieser Wunsch, tiefer in den Bereich des Automotive Engineering einzusteigen, hat meine Schritte seitdem vorangetrieben…“

… und ihn einmal um den halben Erdball bis nach Nanjing geführt. Hier, 250 Kilometer westlich von Shanghai entfernt, produziert thyssenkrupp Engine Components China mit rund 650 Mitarbeitern jährlich 345.000 Kurbelwellen für Nutzfahrzeuge.

Umfassende Verantwortlichkeiten bei thyssenkrupp Engine Components China

2018 wurde Roberto zum R&D Manager von thyssenkrupp Engine Components China befördert. Seine Hauptverantwortlichkeiten ziehen sich durch den kompletten Betriebs- und Produktionsprozess, zu dem auch die Verwaltung und Koordination der täglichen Aktivitäten gehört, um die Produktionsleistung von Kurbelwellen von leichten bis hin zu schweren Anwendungen sicherzustellen.

Ob Roberto jemals im Traum dran gedacht hat, im Laufe seiner Karriere einmal nach China zu gehen? „Obwohl ich tatsächlich gewisse Anstrengungen und einen Haufen Studienstunden in meine Entwicklung gesteckt habe, Leidenschaft entwickelt habe für das, was ich tue, habe ich aber nie daran gedacht, einmal ins im Ausland zu gehen. Geschweige denn, nach China und dort von der Kommunalverwaltung eine Auszeichnung zu erhalten.“

Doch genau das geschah 2020: Im Rahmen eines Programms, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, ‚große Persönlichkeiten nach Nanjing zu holen, um zusammen eine viel versprechende Zukunft zu erschaffen‘, wurde Roberto geehrt. Der gebürtige Brasilianer erhielt vom stellvertretenden Bürgermeister Nanjings die Auszeichnung als High-Level Talent. Spätestens jetzt war Robert auch persönlich abgekommen in China. „Die Tatsache, von der Stadt Nanjing als wichtiges Talent für die Entwicklung der Region anerkannt zu werden, lässt mich zweifellos glauben, dass die von mir getroffenen Entscheidungen die richtigen waren", freut sich Roberto.

Nur an seinem Chinesisch muss Roberto noch etwas arbeiten. „Als wir mal in einem Restaurant waren, habe ich mich gezwungen, einige Wörter zu verwenden, die ich kürzlich auf Chinesisch gelernt habe. Am Ende des Mittagessens, das immerhin so lang war, dass die Kellnerin erfuhr, dass ich Brasilianer bin und die dort gesprochene Sprache Portugiesisch ist, verabschiedeten wir uns. Ich beschloss, mich auf Chinesisch bei ihr zu bedanken und ihr ein schönes Wochenende zu wünschen und sagte xie xie und zhou mo kuai le. Sie allerdings starrte mich nur überrascht an und fragte, ob das Portugiesisch gewesen sei. Da habe ich gemerkt, dass ich im Chinesisch-Unterricht noch einen langen Weg vor mir habe.“